Die 10 goldenen Regeln Man muss halt Prioritäten setzen
Oct 22

Es ist schon ein wenig her, da bekam ich einen Anruf vom Chef: “Im Meetingraum soll gleich eine Präsentation für einen großen Kunden starten aber es gibt Probleme mit dem Notebook. Schau doch bite mal nach.”

Da man seinem Geldgeber auf eine solche Bitte lieber nicht mit “Halt’s maul ich trinke gerade meinen Kaffee” antwortet habe ich mich halt bequemt mal nach dem Rechten zu sehen. Es ist für die Aufrechterhaltung des Gott-Status beim Anwender ohnehin recht förderlich auch ab und an selbst mal auf den Reset Knopf zu drücken. IT Zaubereien live vor Ort! Sowas beeindruckt den Anwender.

Vor Ort erwarten mich auch schon meine kleinen DAUs sowie ein paar Anzugträger die krampfhaft versuchen den Eindruck zu vermitteln sie seien gestresst und diese Verzögerung stehle ihnen ihre wichtige Zeit. Meinem geschulten Blick entgeht natürlich nicht, dass der eine lediglich pissen muss, der andere Hunger hat und der dritte nur hier ist weil es in seinem Büro nix zu tun gibt.

“Na , ihr Pisser?” denk ich mir und begrüsse das Fußvolk. “Guten Morgen, ich bin der Admin. Was gibt es denn?”
“Das Notebook startet nicht.”

In der Tat sah man auf dem Bildschirm, dass das Notebook versucht sich mit der Domäne zu synchronisieren.

“Seit wann besteht dieser Zustand?”
“Schon ein paar Minuten.”
“Schon mal einen Neustart versucht?”
“Nein.”

Nicht dass mich diese Antwort überrascht hätte. Es ist schließlich ein jahrelanges IT Studium notwendig um verstehen zu können, dass ein Neustart oft hilfreich ist. Ich sehe ja ein, dass man als einfacher Anwender mit derart komplexen Zusammenhängen überfordert ist.

Mit einer Anmut wie Prinz Adam bei der Verwandlung zu He-man betätige ich den Reset Schalter und kann es mir gerade noch verkneifen dabei “Ich habe die Zauberkraft” zu rufen. Obwohl ich mir das zukünftig vielleicht mal angewöhnen sollte. Das verleiht meinem Auftritt noch ein wenig mehr Dramatik.

Aber es trat tatsächlich der Fall ein der statistisch nur alle 100 Jahre auftritt wenn der Mond im Zeichen des Wassermanns steht und auf einem Privatsender mal was gescheites läuft: Der Neustart brachte keine Besserung.

Keine Panik, nichts womit der Admin nicht fertig wird.

Blitzschnell analysierte ich die Situation, die möglichen Abfolgen von Bits und Bytes die solch einen Fehler verursachen könnten rauschten durch meinen Kopf. Nullen und Einsen huschten an meinem geistigen Auge vorbei, die möglichen Konflikte der Systemtreiber wurden berechnet und so kam Ich nach einer kurzen Berechnungszeit von 0,001 Millisekunden auf die Lösung des Problems welches mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,985% vorlag: Ich schaute nach ob das Netzwerkkabel überhaupt eingesteckt war.

Es schien zumindest so. Nachdem alle Verbindungen überprüft waren ließ ich meinen Assistenten ein neues Netzwerkkabel heranschaffen. Das alte sah schon ein wenig brüchig aus.
5 Minuten später, nachdem auch ein Kabeltausch keine Besserung brachte, beschloss ich das Gerät mitzunehmen um es genauer untersuchen zu können. Es schien tatsächlich so zu sein, dass der Fehler wirklich einmal beim Gerät lag. das fand ich sehr faszinierend, denn das kam noch nie vor.

“Es scheint das Gerät ist wirklich kaputt. Ich werde es mal mitnehmen. Ich bringe euch noch ein ErsatzGerät.”
“Aber wie komme ich denn jetzt an meine Präsentation?”

Natürlich indem du die Datei mit dem ErsatzGerät öffnest. Das wäre zumindest die Lösung wenn du Hohlbirne den Mist auch im Netzwerk gespeichert hättest. Aber wozu denn auch? Warum sollte man seine Arbeit denn auch im Netzwerk speichern? Ist ja schließlich viel sinnvoller das wichtige Dokument nur auf der Festplatte zu haben. Wer brauch schon eine Kopie auf einer weiteren Platte die mit einem RAID und einem 3 fachen Backup gesichert ist? Was soll schon passieren? Dass das einzige Gerät auf dem man seine Daten hat mal kaputt geht? Quatsch…

Mit ein wenig sanfteren Worten erklärte ich dem Anwender die Situation. Zum Glück gab es tatsächlich noch eine alte Version der Präsentation im Netz. Die musste halt langen.

Lektion Nummer 1: Das Netzwerk ist nicht nur dafür da damit der Admin nicht an deinen Rechner muss um deine e-Mails zu lesen, man kann da auch wichtige Sachen ablegen.

Es folgte eine genauere Untersuchung des Notebooks. Es schien tatsächlich nichts zu helfen. Irgendwas war kaputt, vermutlich die Festplatte.

Zähneknirschend machte ich mich also daran dem kleinen DAU einen Ersatzarbeitsplatz einzurichten. Ich fand zwar, dass es sich mit einem Notizblock und einem Bleistift auch hervorragend arbeiten lässt, nur leider war die Chefetage da anderer Meinung.

Nach getaner Arbeit startete ich den frischen Rechner und meldete mich mit dem Benutzerprofil des DAUs an. Es dauerte sehr lange bis der Anmeldevorgang abgeschlossen war. Erstaunlich lange. Das Netzwerk war nie das schnellste aber selbst für unser kleines Baby war das ungewöhnlich. Also schaute ich mich doch mal etwas an.

Tja und letztendlich fand ich doch den Fehler für das versagen des Notebooks. ich war gleichermaßen stolz auf mich selbst wie ich auch enttäuscht war, dass ich es doch wieder nur mit einem Fall von Inkompetenz zu tun hatte.

Lektion Nummer 2: Wenn mitten auf dem Desktop ein Ordner liegt der über 3 GIGABYTE MP3s und Urlaubsfotos enthält dann kann das Synchronisieren mit dem Netzwerk schon mal etwas dauern und ein altersschwaches Notebook kann unter dieser Last auch schon einmal zusammenbrechen!

Ordner entfernt und schon lief alles wieder tadellos. Eine verpatzte Präsentation, ein ganzer verschwendeter Arbeitstag und viel Hektik nur weil Kollege Anwender lieber seine MP3s sofort parat haben möchte anstatt seine wichtigen Daten.

Benutze Kopf mit Wand…

Lektion Nummer 3: Das Problem existiert immer vor dem Bildschirm.

Geschrieben von Der Admin
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10 Kommentare zu “Notebook Probleme”

  1. S1ic3r sagt:

    Lektion Nummer 4: Möglichst alle GPOs verwenden um den Benutzer einzuschränken.
    Das heisst die Profilgrösse auf 30MB zu beschränken oder den Desktop auf den Fileserver auszulagern, was bei einem Notebook unterwegs wohl nicht wirklich spassig ist :P .
    Aber der Sinn eines Profils ist ja nicht möglichst viele Daten beim An- und Abmelden zu synchronisieren *G*.

    Naja, wir haben die Profilgrösse auf 30MB beschränkt und das funktioniert einwandfrei. Zudem ist das lokale Laufwerk schreibgeschützt, dass auch wirklich niemand auf die dumme Idee kommt wichtige Daten lokal zu speichern ;) .

    Aber bei Notebooks ist das was anderes, da bedarf es jahrelange Schulung und Robocopy, welches auch wirklich immer schön alles mit dem Fileserver abgleicht ^^

    Ich mag diesen Blog… Heute entdeckt :)
    Freue mich auf weitere Beiträge :p

  2. Oliver sagt:

    Großes Lob, Herr Kollege, ich liebe die Seite!

    Sie spiegelt meine tägliche Arbeit wider und auch den Stil der Schreibweise passt exakt zur täglichen Gefühlslage!

  3. olaf12 sagt:

    absolut genial die Seite…

    entspricht genau dem, was unsere Daus und Dummys den ganzen Tag fertig bringen :-) … *** IRONIE AN

    Ein Word Dokument gehört ja auf den lokalen PC auf den Desktop und wenn mal der Rechner abraucht, dann haben wir ja ein Backup gell? Erklär mal einem DAU den Unterschied zwischen einem Laufwerk C:\ und dem Netzlaufwerk (z.B. W:\ für Wohnen) da kannst Du besser mit der Wand reden, die beschwert sich wenigstens nicht :-)

    oder so sinnige Sprüche wie “Seit R. was umgestellt hat (R= Chef IT) läuft der Drucker nicht mehr richtig, warum das??” Warum wohl ist die Welt rund und nicht viereckig

    oder “Ein Fall für E… (E=Supporter), initiert von einem Buchhalter, der von Excel etwa soviel Ahnung hat wie ne Kuh vom Fliegen

    *** IRONIE AUS

    Weiter so!

  4. memo sagt:

    Naja einigen Admins würde ich die Kündigung aushängen… Ziemlich große Fresse… (”na ihr Pisser”) – Junge du hast doch den Schuss nicht gehört. Habt ihr mal ein bissel Macht, seid ihr nicht Gott.

    Leider ist das die Regel, unser Idiot von Admin hat schon mal eins drauf bekommen…

    Ohne den “dummen” Usern gäbe es Dein Job nicht. Möglich das diese Menschen andere Qualitäten haben, außer nur verklemmt und mit einer großen Fresse hinterm Rechner sitzen.

  5. Shadow sagt:

    Na schön und gut memo aber man darf doch bitte etwas Hirn erwarten oder?Ich meine toleranz ist ja gut aber wenn man gefragt wird ob Word ein Betriebssytem ist dann hörts ja wohl auf…..

  6. Zecher sagt:

    “Na , ihr Pisser?” denk ich mir und begrüsse das Fußvolk.
    Sehr lustig geschrieben.

  7. Izual sagt:

    Erstmal ich liebe diesen Blog. Und wenn man sich anguckt die Kommentare weiß man genau wer sich betroffen fühlt und bissl ein geschnappt ist.

    Ich bin Zwar nur in einer Schulischen Ausbildung gewesen aber da ist es nicht besser mit den DAUs.

    Ist schon Schlimm wenn man gerufen wird das der Monitor nicht geht und man merk das nur der Bildschirmschoner angesprungen ist.

  8. Roque sagt:

    Herrlich.
    Direkt aus dem Leben.

    Du bist nicht zufällig ein Nachfahre des “Bastard Operator from Hell?”
    Mir fallen gewisse Parallelen auf.

    Sehr amüsant zu lesen jedenfalls.

  9. Joe sagt:

    Sag mal du “Admin” schon mal was davon mitbekommen, dass man auch für die Roaming Profiles auch Grössenlimiten setzten kann???

    Siehe hier: http://technet.microsoft.com/en-us/library/cc758768(WS.10).aspx

    Du stolzierst hier rum, als du der mega Admin bist. Dabei das einzige was mir aufgefallen ist das, dass du ein grosse Klappe hast.

    Sorry aber für mich bis du ein DAU.
    Bist nicht mal ‘ne System Engineer. Sondern nur eine “möchtegern” “Admin”.

    Ich sage das, weil ich selber SA bzw. SE und sehr viele Versch. Zertifizierung hat. Angefangen bei MCSA, MCSA Messaging, MCSA Security, MCSE Messaging, MCSE Security…

  10. tbc sagt:

    Ich hab mich schlapp gelacht über diesen Artikel. Zum einen klasse geschrieben und zum andern so nah an der Realität – obwohl das manche nie glauben werden.

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