Das Schlagwort “Netzgemeinde” ging in den letzten Wochen quer durch alle Medien.
Wer soll das denn nun eigentllich sein? Letztendlich ist es doch auch nur eine Worthüllse die versucht ein Phänomen greifbar zu machen und der Politik einen begreifbaren gegner hinzustellen.
Denn letztendlich haben all die Leute die gegen die sich gegen die Internetzensur ausgesprochen haben, die Nutzer von Twitter, die Blogger, die Forenuser und alle anderen Netzteilnehmer doch nur eines gemeinsam: Sie wissen wie man das Medium Internet benutzt.
Die Netzgemeinde als Gruppe mit eigenen Interessenn gibt es gar nicht. Es ist allenfalls eine Zweckgemmeinschaft vieler Einzelpersonen.
Das fängt an beim politischen Blogger, geht über die Informatiker, über den Heavy Metal Fan, über den User der sich über den neusten Promi Gossip informieren möchte bis hin zu Katzenzüchtern und Eltern.
Das sind (ex-)Wähler von SPD, Grüne, FDP, Linke, CDU, der Tierschutzpartei…
Das sind Katholiken, Atheisten, Protestanten, Heiden, Juden, Muslime….
Das sind Informatiker, Bürokaufleute, Einzelhändler, Lagerarbeiter, Schüler, Studenten, Musiker, Drucker…
Kurz: Die haben ausser der Nutzung des Mediums Internet gar nichts gemeinsam.
Für die Politik, wie natürlich auch für die Medien, ist es einfacher einen greifbaren Begriff zu nutzen.
Doch dabei entsteht eben die Gefahr, dass all diese unterschiedlichen Personen in einen Topf geworfen werden und eben allesamt in eine Schublade gesteckt werden.
“Das sind doch alles nur Nerds”
“Sind eben Technik Profis”
“Sind doch alles nur Raubkopierer”
“Sind doch alle gegen die Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet” (gell, her Guttenberg?)
Dabei ist jede allgemeine Aussage über die “Netzgemeinde”, ausser dass sie ein Medium nutzt und zum Teil auch versteht, grundsätzlich falsch.
Das wort Netzgemeinde assoziiert aber leider, dass es sich um eine geschlossene Gruppe handelt. Von daher sollte man dieses wort, vor allem in den Medien, endlich mal sterben lassen.
Das mag vor Jahren mal seine Gültigkeit gehabt haben, als das Internet wirklich nur wenigen offen stand. Aber in Zeiten wo Internetanschlüsse weitestgehend flächendeckend verbreitet sind ist der Begriff irreführend.
Man stelle nur mal 3 Überschriften gegenüber wie sie in einer Tageszeitung stehen könnten bzw. vieleicht sogar gestanden haben:
“Neues Gesetz zur Bekämpfung von Kinderpornografie: Netzgemeinde protestiert”
contra
“Neues Gesetz zur Bekämpfung von Kinderpornografie: Internetnutzer protestieren”
contra
“Neues Gesetz zur Bekämpfung von Kinderpornografie: Tausende von Bürgern protestieren”
Und nun stellen wir uns Frau K vor.
Frau K. ist 40 Jahre alt, durchschnittllich gebildet, politisch durdauch interessiert und entspricht ansonsten dem typischen Durchschnittsbürger. Nur von Computern und Internet hat sie nicht so viel Ahnung. Sie kennt diese Sachen, benutzt sie vieleicht sogar, beschränkt sich dabei aber auf’s e-Mail schreiben, Solitaire spielen, und allgemeines Informationen beschaffen mit Google.
Blogs, Feeds, Twitter, Foren… das sind Fremndworte für sie.
Frau K. liest nun diese Überschriften. Was denkt sie wohl?
Überschrift 1: Was sind das denn für kommische Leute die nicht wollen, dass so was bekämpft wird?
Nach kurzem Überfliegen des Artikels (wo auch weiter konsequent von netzgemeinde geredet wird) kommt sie zu demm Schluss, dass die Netzgemeinde anscheinend ein ziemlich komischer Haufen von Internet Freaks ist. Anscheinend auch mit politisch fragwürdigen Zielen. Diese Leute sollte man im Auge behalten.
Überschrift 2: Wieso sind Internetnutzer denn dagegen?
Vieleicht fühlt sich Frau K. sogar angesprochen wenn von “Internetnutzern” die Rede ist. Falls sie sich angesprochen fühlt liest sie vieleicht sogar etwas genauer. Vermutlich wird sie zu demm Schluss kommen, dass sie nicht der Typ Internetnutzer ist von dem da geredet wird. Anscheinend gibt es nicht nur DEN Internetnutzer. Falls sie natürlich gar keine Berührungspunkte mit dem Internet hat wird sie vermutlich den Artikel nur überfliegen und sich vieleicht zumindest fragen warum die Internetnutzer denn dagegen sind. Verstehen wird sie es vermutlich nicht.
Überschrift 3: Oha, tausende Bürger dagegen. Was ist denn an dem Gesetz so falsch?
Nach dem Durchlesen wird Frau K. zumindest wissen, dass da irgendwas an dem Gesetz drann ist was einigen Bürgern nicht gefällt. Anscheinend sind das alles Bürger die sich besser mit demm Internet auskennen als sie selbst. sollte man verfolgen.
Natürlich sind das nut Mutmaßungen. Aber bei einem bin ich mir sicher: Die Wortwahl bestimmt den Fokus des Lesers.
Netzgemeinde: Fokus auf die Leute dieser “Netzgemeinde”
Internetnutzer: Fokus auf das “warum”
Bürger: Fokus auf das “was”.
Bürger spezifiziert nicht die Leute sondern den Sachverhalte. Internetnutzer fasst die Gemeinsamkeit zusammen die sich lediglich in einer Tätigkeit ausdrückt und Netzgemeinde impliziert eine Gruppe.
Gemeint ist aber immer das selbe.
Ich bin daher absolut dagegen diesen Ausdruck weiter zu benutzen. Die “Netzgemeinde” ist keine Gemeinde, nicht einmal eine Gemeinschaft. Es sind leute die über ein Medium miteinander kommunizieren.
Man sagt ja auch “Funker” und nicht “Funkgemeinde”. Man sagt auch “Handynutzer” und nicht “Handygemeinde”. Durch diesen Begriff der “Netzgemeinde” werden Internetnutzer auf eine kleine Gruppe reduziert. Aber es ist nunmal keine Gruppe, schon gar keine kleine.
Ich frage mal in die Runde: Ist der begriff “Netzgemeinde” überholt?
Wie steht es mit anderen Begriffen die derzeit aufkommen wie z.B. “Generation C64″ oder “Generation Web”?
Brauch es überhaupt einen Begriff?
Verbindet “uns” vieleicht doch mehr?
Update 07.07.2009: bei Netzpolitik sieht man das wohl ähnlich.









July 2nd, 2009 at 07:11
Selbstverständlich ist der Begriff falsch, klaro.
July 2nd, 2009 at 08:40
Wenn ich ehrlich bin, habe ich so noch nicht darüber nachgedacht. Es stimmt wahrlich, dass Folgen existieren. Sicherlich wird damit auch gezielt Meinung gemacht. Bisher hatte ich aber ehrlich gesagt “Gemeinde” so für mich asoziiert, dass es sich um die Benutzer handelt. Also eher so wie menschen die Sport machen. Nicht als geschlossene Gruppe.
Sicherlich ein Punkt das zu überdenken.
Mich ärgert an diesem Punkt die immer größere werdende “Kunst” der “durchschnittlichen Bevölkerung” zu nicht Hinterfragen und nachdenken. Sicherlich eine Tugend, welche sich – zumindest im Fokus meines Umkreises – vermehrt bei “Internetbenutzern” wieder finden lässt. Ich kritisieren daher u.a. auch, dass ein hinterfragen an sich immer mehr ins hintertreffen gerät. Sicherlich gefördert durch solche Fehldefinitionen.
July 3rd, 2009 at 13:04
[...] Netzgemeinde, wer oder was soll das sein? | Der fiese Admin Die “Netzgemeinde” ist keine Gemeinde, nicht einmal eine Gemeinschaft. Es sind leute die über ein Medium miteinander kommunizieren. Man sagt ja auch “Funker” und nicht “Funkgemeinde”. Man sagt auch “Handynutzer” und nicht “Handygemeinde”. Durch diesen Begriff der “Netzgemeinde” werden Internetnutzer auf eine kleine Gruppe reduziert. Aber es ist nunmal keine Gruppe, schon gar keine kleine. (tags: Internet) [...]
July 3rd, 2009 at 17:49
Wenn man die drei Möglichkeiten liest, dann wird doch allmählich klar, was da ganz geschickt gemacht wird: erstmal wird so ein Begriff erfunden und gezielt in Umlauf gebracht. Er wird auch erstmal gern von vielen angenommen, gibt ja ein Gemeinsamkeitsgefühl. Und passiert genau das, was hier beschrieben wird: Der nicht wirklich richtig das Internet nutzende Bürger geht dem, was aus dieser “Netzgemeinde” kommt, nicht nach, interessiert sich nicht dafür. Also ist man in der Politik vor dem, was Internetnutzer herausfinden, noch einigermaßen sicher – auch Politiker nutzen das Internet ja eher nicht so besonders intensiv.
So, und wenn ich jetzt was weiß, was alle wissen müssten, damit die Politik das endlich tut und nicht aus allen möglichen Gründen blockiert, dann kann ich das im Netz soviel verteilen wie ich will – das kommt nicht an die Öffentlichkeit, solange die (informierte!) Presse weiter schweigt.
Neuerdings gibts von dem Verborgenbleiben aber schon Ausnahmen – und das müssen mehr werden, damit alle Bürger merken: Das sollte man wissen, was da an Informationen online ist.
Berechtigte Frage: Gibts denn sowas überhaupt, etwas, was von der Presse und der Politik verschwiegen wird, was aber sofort vielen Menschen Gutes täte, wenn es, statt verschwiegen zu werden, einfach getan würde? Und was auch nur wenige Politiker wissen? Und was sofort umgesetzt würde, wenn Bürger davon erführen, weil das Verhindern und Verschweigen niemandem erklärt werden könnte?
Ja, sowas gibt es und es ist keine Spinnerei und nachweisbar, der erste Beweis ist schon gleich schriftlich beigefügt. Einfach Link anklicken und weiterlesen:
http://work-local-for-global.blogspot.com/
Werden wirklich auch noch viele MAU (mutigste anzunehmende User) gebraucht, damit sich das so verbreitet, dass es die Netzwelt verlässt? Offenbar ja!
July 3rd, 2009 at 20:55
Naja, es gibt soviele Schlagworte … ich find immer noch am besten die Ausrufung von Generation, Generation Golf, Generation Praktikum … oder halt Generation Doof
July 3rd, 2009 at 22:17
Im Altertum gab es “Schriftgelehrte”- jetzt gibt es entsprechend “Netzkundige”. Eigentlich erfreulich, daß Diese, aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit, so unkategoriesierbar sind wie hier aufgezeigt wird. Der “gemeinsame Feind”, der sich aus Ignoranten und lobbyistisch kontrollierten Politkaspern zusammensetzt, lässt allerdings ein Gemein(de)schaftsgefühl entstehen, und generiert wohl solch eigenartige Wortschöpfungen wie “Netzgemeinde” (btw, wer ist denn da der Pfarrer???)
July 5th, 2009 at 16:35
Also kurz gesagt, unter der netzgemeinde versteht man die weltbevölkerung ausgenommen der politiker…
xD
July 8th, 2009 at 08:19
So schön, wie Du das auf den Punkt gebracht hast, ist das Wort Netzgemeinde wirklich überholt. Zugegeben habe ich mir nie Gedanken über das Wort gemacht, da ich mich quasi “dazu zähle”. Aber mann kennt auf der anderern Seite auch die “Presse-Gemeinde”, die immer schon scharf auf “Randgruppen” ist. Damit lässt sich Aufmerksamkeit erregen. Man siehe sich nur Assi-TV Nachmittags auf den einschlägigen Sendern an. Oder Big Brother. Dort werden die besonders Auffälligen der Randgruppen präsentiert und zur Schau gestellt.
@Michael. Appropos Generation Doof. Es gibt ein super Buch/Hörbuch dazu! Gugst Du hier: http://www.amazon.de/Generation-Doof-blöd-sind-eigentlich/dp/3404605969 – lohnt sich!
July 12th, 2009 at 16:30
Vielleicht sollte man das als Unwort des Jahres einreichen?
Ich versuch den Begriff mal von der Kirche auf das Internet zu übertragen. Man grenzt die Menge der Internetnutzer ein; diejenigen die Gegen das Zensursula Gesetz sind gehören zur “Netzgemeinde”, die anderen sind die Internet Benutzer.
Ich bin ein Mitglied der Netzgemeinde!
:<)
July 12th, 2009 at 16:35
[...] Verfasst von stefanprass am 12. Juli 2009 Netzgemeinde, wer oder was soll das sein? [...]
July 13th, 2009 at 08:59
..und da währen noch die Internet Abzocker…
May 1st, 2010 at 02:11
>>> Berechtigte Frage: Gibts denn sowas überhaupt, etwas, was von der Presse und der Politik verschwiegen wird, was aber sofort vielen Menschen Gutes täte, wenn es, statt verschwiegen zu werden, einfach getan würde?
Hat zwar mit dem Thema nichts zu tun aber: Ja gibt es. Und zwar:
Nicht alle übergewichtigen Menschen fressen zu viel, sehr viele (laut jüngsten Studien über 80%) leiden an Genetischen defekten und sind deswegen übergewichtig. Und noch wichtiger: Übergewichtige Menschen sind keine Menschen zweiter Klasse, sie wollen genauso nur in Frieden leben wie dünne Menschen. Es ist nicht gut solche Menschen zu mobben, auszulachen, fertigzumachen oder tätlich anzugreifen. Die ganzen Berichte in den Medien sind eine Hexenjagd weil der Bürger genau das hören will um sein Handeln rechtzufertigen.
Ja hat hier nichts verloren. Passt aber zu Deinem Zitat. Es wird in den Medien immer anders hingestellt, es wird nirgends in den (offline) Medien erwähnt. Würde es aber erwähnt und würden die Leute auch zuhören würde das sehr vielen Menschen etwas gutes tun und: Es würde sehr viel weniger Selbstmorde deshalb geben.
Ich hätte da aber nochwas:
Amokläufer werden oft deswegen zu Amokläufern weil sie in der Schule oder am Arbeitsplatz ausgegrenzt und fertiggemacht werden. Auch das ist NICHT gut. Würde man jeden Menschen mit dem selben Respekt behandeln unabhängig seines Aussehens, seiner Meinungen oder anderer Gründe würde es weniger Amokläufe geben.
Wieso wird es nicht erwähnt? Weil die Medien nicht das bringen was den Tatsachen entspricht sondern das was die Menschen hören wollen. Würde man endlich sagen das die Menschen selbst Schuld dran sind wenn mal wieder einem die Sicherung durchbrennt würden sie sehen das es Dinge gibt die von der Gesellschaft akzeptiert werden die nicht im geringsten toleriert werden dürften in einer angeblich zivilisierten Gesellschaft.